Astrodrama

Astrologie und Spiritualität

Astrologie und die Chakren, Biographien von Ramana Maharshi, Poonjaji, Therese Neumann,
Papst Johannes XXIII und Gotama, der Buddha

ca. 40 A4 Seiten mit 27 Horoskopzeichnungen und vielen Abbildungen
10.- € inkl. Inlandsporto
Leseprobe:

Buddha

In den letzten 50 Jahren hat sich das Interesse am Buddhismus immens gesteigert. Buddhas Lehre – das Dhamma – hat sich, wie erstaunlicherweise damals korrekt vorausagt, 2500 Jahre nach Buddhas Tod im Jahre 543 B.C. wieder um die ganze Welt verbreitet.

Vorausgegangen waren viele Jahrhunderte, in denen nur eine bescheidene Zahl von Menschen von ihr profitieren konnten. In Indien, ihrer Geburtsstätte, war das Dhamma sogar fast gänzlich verschwunden.

Im folgenden werden wir einen Blick in Buddhas Geburts- und Erleuchtungshoroskop werfen, um seinen Bewusstwerdungsvorgang und sein Erwachen auf archetypisch-astrologischer Ebene nachzuvollziehen und auch die Verbreitung seiner Erkenntnis, des Dhammas, im Lichte der äußeren Planeten anzusehen.

Buddha kein Stier

Vorweg müssen wir ein grundlegendes Missverständnis klären. Der zukünftige Buddha wurde als Siddharta Gautama mit einer Sonne-Saturn-Mars-Konjunktion im ♈ am 14. April 623 B.C. geboren.✭

Jährlich zum Vaisakh-Vollmond feiern die Buddhisten seinen Geburts-, Todes- und Erleuchtungstag. Der Hindu Mond-Monat Vaisakh fällt gängigerweise heutzutage in den Monat Mai. Darum auch der Fehlschluss, Buddha sei ein ♉ gewesen. Da die indischen Mondmonate aber auf den sideralen Fixsternzodiak bezogen sind, ergibt sich dasselbe Verschiebungsphänomen, was uns schon von der Wanderung des Frühlingsanfangspunktes (bzw. Fische-/Wassermann-Zeitalter) her bekannt ist. Der Monat Vaisakh fällt heute laut dem von uns im Westen benutzten tropischen Zodiak schon teilweise ins ♊-Zeichen. Zu Buddhas Zeiten fiel er teilweise in den ♈. Die Geburtsdaten „Im Jahre 2478 des Kali-Yuga-Zeitalters am Vollmondtag des Monats Vaisakh, dienstags gegen Mittag“ stammen aus uralten Palmblattaufzeichnungen aus Sri Lanka ✭. Seit 2.200 Jahren hat sich dort der Buddhismus als Inselreligion ununterbrochen erhalten.

Wie wir später noch sehen werden, nimmt das ♉-Zeichen in der Verbreitung sowie im Inhalt seiner Lehre eine zentrale Rolle ein.

Siddharta wurde als erster von zwei Söhnen eines Kleinstaaten-Königs an der heutigen indisch-nepalischen Grenze geboren. Der Seher/Yogi, der ihn 3 Tage nach seiner Geburt beschaute, prophezeite – auch ohne sein Horoskop zu kennen -, dass der Knabe einmal Buddhaschaft erlangen und das Rad der Lehre wieder in Gang setzen werde. Dies sagte er mit Tränen in den Augen, da er zu jenem Zeitpunkt schon verstorben sein würde. Und da er nach seinem Tode sehr lange in himmlischen Sphären (Brahma-Loka) verweilen würde, würde er erst auf die Erde zurückkommen, wenn sich das Rad der Lehre nicht mehr drehen würde (sprich: die Lehre in Vergessenheit geraten ist).

Auch die acht Brahmanen, die zwei Tage darauf die Namensgebungszeremonie vollzogen, bliesen ins gleiche Horn: Entweder würde er der größte Raja (König) Indiens werden, oder die Buddhaschaft erlangen.

„Kein Wunder, bei dieser Versammlung von Planeten im Umfeld der Himmelsmitte“, denkt sich der kundige Astrologe beim Betrachten des Geburtshoroskops. Alle damals bekannten Planeten befanden sich im Einflussbereich der sogenannten Entwicklungsachse: IC / MC. Das eigene (Höhen-) Wachstum, die Langzeitentwicklung, die Entfaltung aller innewohnenden Qualitäten (buddh.: Paramis) waren die alles dominierenden Themen seines zielorientierten Lebens. Im Gegensatz dazu wäre ein AC/DC-orientierter Mensch fast ausschließlich mit der ihn umgebenden Welt, seinen Kontakten, Begegnungen, seiner Wirkung auf andere und dem unmittelbaren Ausleben seiner Impulse / Bedürfnisse beschäftigt.

Ja, ein damaliger Astrologe hätte in sein Horoskoprechteck nicht nur drei, sondern fünf Planeten in den ⊥ eingezeichnet. Laut siderialem Zodiak befinden sich die Fische-Planeten auch schon im ⊥, dem Zeichen der Kshatria-Kaste (Krieger / Politiker). Es hätte also die Prophezeiung des Königs aller Könige (alle im 10. Haus) untermauert. Im 6. Jahrhundert v. Chr. waren die Kshatrias noch tonangebend, und wurden erst später von den Brahmanen an der Spitze des damals noch viel durchlässigeren und humaneren Kastensystems abgelöst. Prophezeiungen besaßen damals ein großes Gewicht. So beeindruckt war man von ihr, dass sein Vater, so sagte man, alles dafür tat, dass es dem jungen Prinzen an nichts fehlte und vor allem, wann auch immer möglich, alles Leid aus seinem Blickfeld verbannt wurde. Auf dass ihm dieser stattliche Thronfolger nicht an die Welt der Eremiten verlorenginge. Als Siddharta dann schlussendlich doch den Palast verließ und auf Wanderschaft ging, fanden sich – kraft der alten Weissagung – alsbald fünf Männer aus seinem Dorfe, die ihm überallhin folgten, um als erste von seiner zukünftigen Erleuchtung zu profitieren.

Siddhartas Mutter Maya, damals schon 40 Jahre alt, starb wie so viele Frauen in jener Zeit eine Woche nach seiner Geburt. Das junge Baby wurde in die Obhut ihrer Schwester Pajapatti gegeben, die kurz darauf Siddhartas Halbbruder Nanda zur Welt gebracht hatte, und Zweitgattin des Königs war. Es heißt, dass sie sich sogar vorrangig um das Kind ihrer Schwester gekümmert habe. Als Thronfolger wurde er in der kleinen Stadt privilegiert behandelt und wuchs umgeben von Luxus jeglicher Art auf. Man kann durchaus vermuten, dass es ihm, nach damaligem Standard gemessen, an nichts gefehlt haben kann. Und doch blieb etwas in ihm unbefriedigt, unerfüllt, wollte mehr vom Leben. Er fühlte sich zu Höherem berufen; Obwohl er wohl alles besessen hat, was einen Normalsterblichen glücklich und stolz machen würde, reifte in ihm der Entschluss, das angenehme Leben der Sinnesfreuden zu verlassen, und dem eigentlichen Sinn des Lebens – seines Lebens – auf die Spur zu kommen.

Die Legende bedient sich jener vier berühmten Metaphern: Siddharta verläßt die Stadt durch vier verschiedene Stadttore. Am 1. Tor begegnet ihm ein Greis, der kaum noch gehen kann. Am 2. Tor trifft er auf einen Kranken mit schmerzverzerrtem Gesicht. Am 3. Tor wartet ein Toter auf ihn, und am 4. Tor begegnet er einem Wandermönch. Bei diesen Konfrontationen wird ihm unmissverständlich klar, dass niemand – selbst er in seinem goldenen Käfig – diesen drei Arten des Leidens entgehen kann. Der Entschluss, der schon lange in ihm herangereift war, auf die Suche, in die Freiheit zu gehen und damit das bequeme, häusliche und für ihn enge beschränkende Familienleben zu verlassen, war damit endgültig gefasst. Dies geschah im „besten Mannesalter“: Mit 29 zur Saturn-Wiederkehr. Saturn zeigte sich ihm also an jedem Stadttor in anderer Form. In alle Himmelsrichtungen, wohin er auch gehen mag: nur Saturn! Der Transit des „strengen Meisters Saturn“ in kurzer Folge über seinen Radix-Saturn, Mars und dann die Sonne hat ihn quasi abkommandiert, hat ihn in Saturns Armee „eingezogen“, in die Schar der Mönche, Asketen und Schamanen, um spirituellen statt weltlichen Zielen zu dienen.

Siddharta wurde im Alter von 16 Jahren von seinen Eltern zwangsvermählt, wie damals – und z.T. noch heute – in Indien üblich. Damit seine verletzten Eltern ihn überhaupt ziehen lassen würden, hat er sich wohl verpflichtet gefühlt, ihnen noch einen männlichen Nachkommen zu hinterlassen.

So läßt sich die von heutiger Warte aus schwer nachvollziehende Tatsache verstehen, dass er in der Nacht, wo ihm sein einziges Kind geboren wurde, seine Frau und den Palast verließ. Er scherte sich am Fluss die Haare, ließ seine edlen Gewänder und sein Pferd zurück und zog, barfuß, nur mit alten Tüchern bekleidet, in die Heimatlosigkeit. Mutig, offen und energievoll, wie es einem „Vollblutwidder“ eben liegt. „Jetzt oder nie“, lautete Mars’ und Saturns vereinte Botschaft.


Das von mir benutzte traditionelle Geburtsdatum wird üblicherweise in der gesamten buddhistischen Welt verwendet. Viele westliche Historiker rechnen allerdings mit einem wesentlich späteren Geburtsjahr.

Palmblattinformationen von Cyrus Abayakoan/Sri Lanka via B.V. Raman. In seinem Klassiker „101 notable horoscopes“ erläutert Raman die Verifizierung des Datums. In einer Welt ohne Uhren läßt die Zeitangabe „gegen Mittag“ einen Spielraum von +/- 1 ½ Stunden zu. Ich habe B.V. Raman‘s Geburtszeit um 6 Minuten zurück-korrigiert.