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"Heute abend gibt es Spargelcrèmesuppe,
Kartoffelgratin und zum
Nachtisch zartes Vanillesoufflé mit Château Moreille-Salat" schwärmt
die Venus.
"Viel zu teuer" wirft Saturn entrüstet ein, worauf Merkur feststellt:
"Nach neuesten ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen sollten
wir mehr biodynamisch-energetische Vollwertkost zu uns nehmen. Da
nämlich, wie ihr wißt, der menschliche Organismus durch seinen Bedarf
an Vitaminen und Mineralien, anders als beim Schalentier ..."
"Ihr verdammten Körnerfresser!" brüllt der Mars, "ohne Fleisch kriegt
der Mensch eh nichts auf die Beine. Ich geh ins Steakhaus!"
Dies ist ein Ausschnitt aus einem ASTRODRAMA-Theatersketch, bei dem
verschiedene Planetenrollen aufeinandertreffen. Jeder Planet ist so in seiner
Rolle gefangen, daß er nicht mehr merkt, wie sein Standpunkt nur ein Teil der
ganzen Wahrheit ist. In der Astrologie gibt es vier Grundtypen mit
unterschiedlicher Sichtweise, die den vier Elementen entsprechen (Feuer,
Erde, Wasser, Luft). Der Feuer-Typ beispielsweise geht dynamisch und
selbstbewußt an eine Sache heran, während der Wasser-Typ eher still und
zurückhaltend auf die gleiche Situation reagiert.
Diese vier Grundtypen (auch Grundenergien
genannt) haben jeweils drei
Ausdrucksformen (Prinzipien): aktiv- erzeugend, passiv-beständig und
veränderlich-auflösend. So ergeben sich zwölf Grundenergien, die jeweils von
einem Tierkreiszeichen symbolisiert werden. Nun steht jedes dieser zwölf
Zeichen für eine spezifische Energie mit entsprechendem Charaktertyp, der
individuell mit Situationen umgeht.
Diese verschiedenen Arten, die Energie
auszudrücken, entziehen sich einem
Wertsystem von gut und böse. Sie sind weder richtig noch falsch, sondern
lediglich Ausdruck von Energien, die Teil einer Ganzheit sind.
Im ASTRODRAMA geht es zunächst
darum, den Gruppenteilnehmern diese
verschiedenartigen Energien und deren Ausdrucksformen am eigenen Körper
erleb- und spürbar zu machen.
Friedel Roggenbuck hat in langjähriger
Auseinandersetzung mit
verschiedenen Arten der Arbeit an Körper und Geist (Yoga, Meditation,
Bioenergetik) eine Methode entwickelt, im Gruppengeschehen in diese
Grundenergien einzutauchen. Hierbei spielt die Musik eine wichtige Rolle.
Friedel, früher auch Musiker, fand Musikstücke aus diversen Stilrichtungen, mit
kritischem Ohr auf die mannigfaltigen Gesichter der Planeten und Sternzeichen
achtend. Er geht davon aus, daß Musik bei Menschen sehr starke Gefühle und
Reaktionen auslösen kann. Dynamisch, aggressiv gespielte Musik wie Punk
oder Hardrock löst bei den Hörern eine ebenso dynamische und aggressive
Stimmung aus, so daß ein solches Rockkonzert zuweilen von Schlägereien und
Sachbeschädigungen begleitet wird. Hier wird ein Aspekt des Feuer-Widder-
Prinzips erkennbar. Genauso ist allgemein bekannt, daß meditativ-weiche
Klänge auf die Psyche eher beruhigend und entspannend wirken - Wasser-
Prinzip.
Um die Wirkung der Musik zu unterstützen,
werden Anleitungen zu Einzel-,
Partner- oder Gruppenübungen gegeben. Geführte Meditation, Techniken
aus dem Freien Theater, Naturrituale und Rollenspielelassen die Ganzheit
der sechs Sinne in die Welt der Planeten-Energien eintauchen. Jeder Mensch
geht mit diesen Erfahrungen anders um. Manche fühlen sich in »ihrem
Element« anderen fällt es schwer, sich darauf einzulassen. Hier wird schon
das Horoskop mit seinen Aspekten und Spannungen sichtbar. Ein sehr
wasserbetonter Mensch kann sich so stark mit diesen, dem Wasser
zugeordneten Charaktereigenschaften identifizieren, daß er andere
Wesenszüge - wie die des Feuers - von sich weist, nach außen projiziert oder
unterdrückt.
So kommt ein feinfühliger, rezeptiver
Mensch (Krebs), der sich im Umgang
gern auf ihm bekannte und vertraute Menschen beschränkt, in
Schwierigkeiten, wenn ein Hoppla-hier-komme-ich-Typ (Löwe) in sein Umfeld
platzt. Er wird wahrscheinlich dessen Lebensfreude und Selbstbewußtsein als
grob und egozentrisch bewerten und von sich weisen, da diese Art zu sein
eine Bedrohung für die sonst vertraute Atmosphäre darstellt.
Im ASTRODRAMA gehen wir auf eine
Reise in diese verschiedenen Welten mit
ihren Seins-Formen, Körpersprachen und Verhaltensmustern. Reaktionen
einzelner Gruppenteilnehmer auf diese zwölf Energien werden aufgegriffen und
mit Hilfe des persönlichen Horoskops verdeutlicht. Dabei wird ersichtlich, mit
welchen Planeten- Energien wir uns identifizieren und welche wir immer wieder
von außen erleben. Denn Charaktereigenschaften oder Energien, die wir nicht
integriert haben, müssen von außen, von der Umwelt, durch Situationen oder
bestimmte Personen uns zugetragen werden.
Hier beginnt die therapeutische Arbeit,
bei der Psychodrama, Gestalt-,
Atem- und Körperbewußtseinsschulung die Möglichkeit bieten, bis in die
Wurzeln dieser Projektionen und Prozesse vorzudringen, sie zu erkennen und
die ersten Schritte zu unternehmen, frei von ihnen zu werden. Die dabei
freiwerdende Energie kann so in den Wachstumsprozeß einfließen. Gleichzeitig
wird deutlich, daß jede Ausdrucksform eines Planeten / Sternzeichens seine
positiven wie auch negativen Seiten hat. Durch diese Einsicht und die sich
daraus entwickelnde Toleranz werden auch simple, in dem Einzelnen immer
wiederkehrende Verhaltensmuster aufgedeckt, die das tägliche Leben oft
schwer und unerträglich machen. Da Mißstände meist nur bei anderen
Menschen leicht festzustellen sind, an einem selbst aber erst durch
Situationen herangetragen werden müssen, ist es sehr hilfreich, diese
Schattenseiten auch in sich selber zu erkennen und zu akzeptieren. Oder das
Gegenstück: Wenn jemand meint, das Leid der Welt für sich gepachtet zu
haben, während nur die Menschen um ihn herum glücklich zu sein scheinen, ist
die Erfahrung von Ruhe und Glück in sich selber von großer Bedeutung.

Ist einmal ein vertrauter Rahmen in der Gruppe entstanden,
bieten sich noch
viele Möglichkeiten, die Selbsterfahrung mit der Astrologie zu vertiefen.
Eine davon ist das Inszenieren des Horoskops in seiner Ganzheit:
Ein Horoskop setzt sich aus zehn
oder mehr Darstellern zusammen (die wir
zusammenfassend als Planeten bezeichnen). Ihre Rollen werden beeinflußt
durch die Tierkreiszeichen, in denen sie sich befinden.
Seine Hausposition gibt dem Planeten einen bestimmten Lebensraum, seinen
Erfahrungsbereich, in dem er sich manifestiert. Die Eigenart des Planeten wird
dort vom Horoskopeigner entweder
- als ein zu ihm gehörender Teil seiner Persönlichkeit
erlebt, beispielsweise
als »der Angsthase« »der Träumer« »der Rastlose«,
- oder von ihm, meist unbewußt, in andere Menschen hineinprojiziert,
er
sucht sich quasi die Hauptdarsteller für sein eigenes Melodrama, seine
Komödie, sein Märchen aus,
- oder sie wird von „außen“als positive bzw. negative
karmische
Folgewirkung vergangener Handlungen gesehen.
Verschiedene Situationen während des
Horoskopspiels verdeutlichen dieses.
So wird ein Mars im zehnten Haus vom Horoskopeigner in der Kindheit oft als
aggressives Elternteil - draussen - erlebt. In einer späteren Lebensphase wird
er selbst zum sich durchsetzenden Chef am Arbeitsplatz. Im Austausch mit
seinen anderen Planeten/Teilen beim Ausagieren des Aspektbildes, während
des Spieles, wird er versuchen, als der Stärkere hervorzugehen.
Im Laufe einer Phase der Einstimmung auf
die individuelle Rolle öffnen sich die
Darsteller ihrer zu spielenden Planetenenergie. Das Planetenprinzip im Inneren
des Spielers selbst „wacht auf“ und er wählt intuitiv passende Kleidung und
Schminke für seine Rolle aus. Mit spontan entstehender Musik und Texten
stellt der Gruppenleiter die einzelen Planeten vor. Darauf folgt eine
Improvisationsphase, in der die Darsteller, jeder auf seine Art, miteinander in
Kontakt treten.
Der Gruppenleiter wird immer mehr zum Regisseur,
indem er einzelne Szenen
einleitet, die die Entwicklung des Horoskopes erfahrbar machen. Das
„Drehbuch“schreibt sich immer im Moment der Handlung. So beginnt ein
Horoskop beispielsweise mit einem Tag aus der Kindheit; die Planeten werden
zu Spielkameraden, Lehrern, Eltern, Geschwistern, es folgt die Pubertät mit
ihren Erfahrungen und Erlebnissen usw.
Ein anderes Horoskop beginnt mit einer
tanzenden Begegnung einzelner
Planeten, die nur über Bewegung ihr Aspektbild darstellen, und verwandelt
sich in ein Märchen mit verträumter Prinzessin, Hofnarr und König. Je nach
Horoskop manifestieren sich zeitweise meditative, ausgelassene, traurige,
spannungsgeladene oder „todkomische“Stimmungen. In feurigen Horoskopen
kommen die Planeten schnell ins Schwitzen, bei Luftbetonung reden sie viel...
Die Darsteller leben für viele Stunden
den inneren Dialog eines anderen
Menschen auf verschiedenen Ebenen aus. Seine Hoch- und Tiefstimmungen
werden zum intensiven Gruppengeschehen. Der Horoskopeigner selbst hat bei
dieser Inszenierung der Kräfte, die sein Leben gestalten, die Wahl:
zuzuschauen, selbst eine seiner Rollen zu spielen oder gar von Rolle zu Rolle
zu springen.
Egal, ob der künstlerische, therapeutische
oder pädagogische Aspekt
im Mittelpunkt steht - das größte Geschenk des astrologischen
Rollenspielers ist es, sich einmal sozusagen in der Haut eines anderen
Menschen wiederzufinden. Dieses Erlebnis lehrt uns mehr
zwischenmenschliches Verständnis und hilft dabei, die Tore des
eigenen Herzens etwas weiter zu öffnen.
Friedel Roggenbuck
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